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sozialwissenschaftlicher Blog von Christian Zinke

Workshop on Pre-reflective Self-Consciousness (Nov 2010)

Im November hat die BSMB (Berlin School of Mind and Brain) einen Workshop zum Thema “Präreflexives Selbstbewusstsein” unter Leitung von Marc Borner veranstaltet. Einer der Hauptredner vor Ort war Prof. Dr. Dres. h. c. Manfred Frank. Der Workshop ging über drei Tage wovon ich (wir) zwei Tage anwesend war(en) (persönliche Termine hinderten mich daran am dritten Tag teilzunehmen – was sehr schade war).

Gezogen wurde ich und ein guter Freund (Bert Seidel) durch die Einbindung von Sartre in den Workshop. Bis dato, war unsere Wahrnehmung doch eher so, dass Sartre – wenn überhaupt – doch eher als Randfigur herhalten musste. So hat es uns überrascht und zugleich erfreut, dass Sartre explizit genannt und behandelt werden sollte und das in einem Kontext eines hart umkämpften Gebiet der aktuellen (nicht nur philosophischen) Forschung. Überraschend auch , weil ein Text von Sartre (Sartre, Jean Paul (1947/1974): Bewusstsein und Selbsterkenntnis. Hamburg: Rowohlt. 5-86.) behandelt wurde der doch eher untypisch für eine Sartrebesprechnung ist und eigentlich auch relative unbekannt ist. (Während “Das Sein und das Nichts” oder auch “Die Transzendenz des Ego” wesentlich typischer und bekannter gewesen wären.)

Tag 1 (Freitag):

Nach einigen Irrfahrten kamen wir fast pünktlich zum Startschuss in den Räumlichkeiten des BSMB an. Marc Borner eröffnete den Workshop und stellte den Hauptredner Prof.  Dr. Manfred Frank vor. Die ersten Sitzung drehte sich um den Text  “Versuch einer neuen Darstellung der Wissenschaftlehre.” von Johann Gottlieb Fichte, entnommen aus “Selbstbewußtseinstheorien von Fichte bis Sartre.” (Frank, M. (Hg.)(1993): Frankfurt a.M.: Suhrkamp. 14-25.).

Im Text versucht Fichte die Schwierigkeiten über das “Ich” nachzudenken auf eine sehr unorthodoxe Weise dem Leser nahe zubringen. Durch das direkte Ansprechen und “Führen” des Lesers irritiert dieser Text – als philosophischer Text – den Leser durch diese ungewöhnliche Art und Weise der Vorstellung eines philosophischen Problems.  Gleichzeitig wird dem Leser sehr schnell und auf eine – fast pädagogische Art – bewusst, wie schwer es eigentlich ist über das “Ich” nachzudenken. Die Diskussionsgruppe des Workshops gliederte den Text in drei – relative klar getrennte – Abschnitte. Grob gegliedert: Einführung in das Problem – Problemdiskussion – Ausweg suche (meine Mitschriften sind in dieser Richtung sehr lückenhaft, vielleicht auch der schon späteren Stunde geschuldet). Fichte stößt auf eine Ebene des “Ich”s welche “Subjekt-Objekt” sein muss um den von ihm gezeigten unendlichen Regress (Kurz: das “Ich” wird immer wieder auf das “Ich” zurück verwiesen) zu entfliehen. Die Workshopgruppe fand hier schon Parallelen zu Sartre. Der erste Teil des Workshops endete mit dem Hunger auf den zweiten Tag und die Diskussion über Sartre und dem Hunger auf das darauf folgenden Dinner.

Der Tag wurde dementsprechend beendet mit einem gemeinsamen Abendessen und interessanten Gesprächen über Fichte, Sartre und natürlich auch private Dinge. Ein durchaus gelungenes Eingewöhnungs- und Kennenlerndinner.

Tag 2 (Samstag):

Am zweiten Tag konnte nun direkt in einer kleinen Workshoprunde damit begonnen werden, den gewählten Sartre Text zu interpretieren und zu diskutieren – die Runde war sehr ungezwungen, zum einen durch den gewählten kleineren Rahmen und zum anderen durch die erfolgreiche Kennenlernphase vom Vortag. Es wurde direkt damit gestartet Sartres Text Schritt für Schritt durchzusehen. Sehr hilfreich und immer wieder Stütze waren dabei die vorher herum geschickten Notizen von Prof. Dr. Frank über den Sartre Text. So konnten wir Schritt für Schritt Sartres Weg nachgehen, den Prämissen auf den Zahn fühlen und die Probleme die sich daraus ergeben um so dem Begründungsstrang, wie wir zu einem Prä-reflexives Cogito kommen und dessen Notwendigkeit(?) um überhaupt ein “Ich” denken zu können.

Erstaunlich war vor allem die Zielorientierung, die die Gruppe an den Tage legte, es wurden zwar Punkte aus anderen Werken von Sartre angesprochen, aber grundsätzlich wurde sich auf die gegebenen Textbasis orientiert und philosophisch weiterentwickelt, ohne dabei an grundsätzlich so verschiedene Grenzen zu stoßen, dass kein Dialog mehr möglich wäre. Die Diskussion war facettenreich und es wurde fächerübergreifend Wissen in die Diskussion mit eingebracht um einige Lücken in der Sartrischen Argumentation offen zulegen und auszudiskutieren.

Der überaus anstrengende und sehr gewinnbringende Tag wurde abgerundet durch ein schmackhaftes Dinner, wo den Teilnehmern noch einmal Raum gegeben wurde sich näher kennen und schätzen zu lernen.

Meines Erachtens ein fachlich und menschlich gelungener Workshop, in dem es geschafft wurde die Barrieren der Fremdheit niederzureißen und eine fachlich und philosophischen Diskussion und Inspiration zu initiieren. Hervorzuheben ist dabei auch die Sprachgewandtheit, die didaktischen Fähigkeiten, sowie das sehr umfangreiche Wissen von Prof. Dr. Manfred Frank. Dank natürlich auch an den Organisator Marc Borner.

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